9. Nachträge (6)

Übersicht

  • Ist die Bibel Gottes Wort?
  • Warum Christen an Gott glauben
  • Anmerkungen zur Frage, welcher Mittel und Methoden sich die KK zur Festigung des christlichen Glaubens in der Welt bedient
  • Die Gefahr religiöser Verblendung: an dieser Stelle nur ein Beispiel: die Versuchung Abrahams
  • Die Aufforderung an die Gläubigen, ein gottesfürchtiges Leben zu führen
  • Wie die KK mit ihrer kriminalitätsbelasteten Vergangenheit umgeht


Texte


Ist die Bibel Gottes Wort?


Die Katholische Kirche verkündet ihre Lehre als „Gottes Wort“ und beruft sich darauf, daß Gott sich ihr in den „Heiligen Büchern“ „offenbart“ habe. 

Für mich liegt bei „nüchterner“ Betrachtung auf der Hand, dass den Offenbarungen kein reales Geschehen zugrundeliegt. 

In Wahrheit dürfte es sich bei den in der Bibel geschilderten Gottesbegegnungen wohl um reine Phantasie- und Wahnvorstellungen von hoch empfindsamen Menschen gehandelt haben, die in grauer Vorzeit gelebt haben, in der ihnen die Geheimnisse der Natur noch weitgehend verschlossen waren. In ihrer Naivität und Engstirnigkeit haben sie fest an die  Allmacht Gottes und seiner Fähigkeit geglaubt, auf die Geschicke der Menschen einzuwirken. Jene Menschen haben allem Anschein nach innere Stimmen wahrgenommen, die sie in ihrer frömmelnden Einfalt (auf dem Hintergrund eines zu jener Zeit bestehenden archaischen Weltbildes) für die Stimme des allmächtigen Schöpfers gehalten haben.

Folgt man dieser Sichtweise, fällt das ganze Glaubensgebäude der Katholischen Kirche sang- und klanglos in sich zusammen.


Die Bibel

Warum Christen an Gott glauben


  • Das Wesen des Glaubens nach christlicher Lehre

In der Bibel wird Glauben definiert als „Gewißheit dessen, worauf man hofft, und das Überzeugtsein von dem, was man nicht sieht.“ (Hebräerbrief 11.1).

Nach christlicher Lehre ist diese Bibelstelle so zu verstehen, dass Gläubige ein tiefes Vertrauen in die göttliche Schöpfung haben, die sie als sein Geschenk an die Menschen betrachten und dessen sie sich dankbar erweisen wollen. Sie meinen. die göttliche Gegenwart zu spüren und können sich ein sinnvolles Leben nur im Glauben an Gott als barmherzigen Vater vorstellen.

Die Katholische Kirche beantwortet damit die Frage, warum Menschen an ein göttliches Walten in der Welt glauben, mit dem schlichten Hinweis, dass ohne dieses Urvertrauen in eine göttliche Ordnung man sich ein Leben in dieser Welt gar nicht vorstellen könne. Erst der Glaube gebe Menschen Halt und Orientierung. Christen fühlen sich in ihrem Glauben bestätigt, weil zentrale christliche Glaubensbotschaften ihrem Wunschdenken entgegenkommen.

  • Dagegen ist folgendes einzuwenden:

Die KK prämiert den Gottesglauben von Menschen, indem sie unterstellt, dass Menschen von Natur aus ein Urvertrauen in eine göttliche Ordnung haben oder herstellen können. Das mag in früheren Zeiten, als der Gottesglaube für die Menschen noch zentraler Bestandteil eines mystischen Weltverständnisses war, zutreffend gewesen sein.

Die Welt und damit auch die Sichtweise der Menschen auf die in ihr wirkenden Kräfte haben sich seither grundlegend verändert. Auslöser und Motor dieses Aufbruchs in eine von den Fesseln religiöser Denkverbote befreiten Geisteshaltung waren zum Ende der Neuzeit bzw. mit Beginn der Moderne aufkommende philosophische Srömungen, vor allem der Geist der Aufklärung (18. Jahrhundert), der sich über Europa und weite Teile der Welt ausgebreitet hat.

Nachdem die wissenschaftliche Forschung im Zuge dieser Befreiung von alten Denkschablonen keinen religiösen Beschränkungen mehr unterlag, konnten viele der in alter Zeit bestehenden Geheimnisse der Natur – u.a die Ursprünge des Kosmos, das Sonnensystem, die Evolution des Menschen, das Wirken von Naturkräften in der Welt etc. – entschlüsselt werden. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse geben Grund zu der Annahme, dass alles in der Natur mit ‚rechten Dingen‘ zugeht und auch die Entstehung der Welt und die Evolution des Menschen als ein natürliches, aus den Gesetzmäßigkeiten der Natur ableitbares Geschehen erklärt werden kann. Damit hat der Glaube an einen Gott, der in wundersamer Weise in die Geschicke der Welt eingreift, dramatisch an Glaubwürdigkeit verloren.

Menschen, die dieses Naturverständnis teilen, werden folglich nicht zustimmen, wenn behauptet wird, dass der Gottesglaube einem der Natur des Menschen innewohnenden tiefen (quasi existentiellem) Grundbedürfnis entspricht.

Da die KK  keinen für mich nachvollziehbaren Grund für ihren Gottesglauben angeben kann, ist ihr Glaube wohl ausschließlich einem reinen Wunschdenken zuzuschreiben. So verstehe ich auch die eingangs zitierte Bibelstelle.

Anmerkung:

Auch wenn es für mich keinen Grund gibt, an den Gott der Christen zu glauben, stelle ich das RECHT aller Menschen auf Glaubensfreiheit selbstverständlich nicht in Frage. Ich halte mich allerdings für berechtigt, mich mit der Glaubenslehre der Katholischen Kirche – einer in der Öffentlichkeit wirkenden Einrichtung – kritisch auseinanderzusetzen und berufe mich dabei auf mein RECHT auf Meinungsfreiheit. Ich erwarte daher meinerseits von allen Gläubigen, mir dieses Recht in gegenseitigem Respekt, also ohne persönliche Diffamierung, ausdrücklich zuzugestehen.


Anmerkungen zur Frage, welcher Mittel und Methoden sich die KK zur Festigung des christlichen Glaubens in der Welt bedient


Die KK hat sich, um für ihren Glauben zu werben und ihre Lehre in alle Welt hinauszutragen, teilweise recht fragwürdiger Mittel und Methoden bedient und ist dabei in ihrer Geschichte häufig auch nicht vor der unerbittlichen Verfolgung Andersdenkender und der Anwendung massiver Gewalt (Unterdrückung, Folter und Ermordung) zwecks Verbreitung und Festigung ihrer christlichen Botschaft zurückgeschreckt. Man denke allerdings auch an die Mittel und Methoden, die bis heute angewandt werden:

* Die KK verspricht den Menschen in der ihr eigenen, von keinen Zweifeln geplagten nassforschen Art die Erfüllung eines uralten – aus rationaler Sicht definitiv unerfüllbaren – Menschheitstraums, nämlich die Aussicht auf eine Wiederauferstehung nach dem Tod, wenn sie im christlichen Glauben ein Gott wohlgefälliges Leben führen.

*  Sie indoktriniert die ihr von den Eltern anvertrauten religionsunmündigen Kinder mit ihrer Lehre, übt so eine prägende Wirkung auf die geistige Entwicklung von Kindern aus und macht sie auf diese Weise unter Ausnutzung ihrer altersbedingten Ahnungslosigkeit zu ihren treuen Anhängern im Glauben. (s.u. 5.3).

* Sie hat – solange sie es konnte – die Menschen vor aufklärerischen und religionskritischen Schriften abgeschirmt (Index librorum prohibitorum).

Diesen Machenschaften und Methoden verdankt die KK, die im übrigen immer darauf bedacht war, sich mit den Mächtigen dieser Welt, darunter auch Staatenlenker diktatorischer und faschistischer Systeme , gut(?) zu stellen, ein Großteil ihres Erfolges in zwei Jahrtausenden.

Bezüglich ihrer Botschaften ist der KK vor allem vorzuhalten, dass sie den Menschen Glaubensinhalte verkündet, die mit dem vertieften Wissen, das wir heute von der Welt, seiner Entstehung und der in ihr wirkenden Kräfte sowie der Evolution des Menschen haben, nicht vereinbar sind. Sie stellt sich damit gegen alle aufklärerischen Bemühungen, den Menschen auf der Grundlage naturwissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse ein realistisches Bild von der Welt und der Stellung des Menschen in dieser Welt zu vermitteln.


Die Gefahr religiöser Verblendung: an dieser Stelle nur ein Beispiel: die Versuchung Abrahams


Rembrandt, Die Versuchung Abrahams

Die religiöse Verblendung kennt, wie wir aus der Kriminalitätsgeschichte der Katholischen Kirche wissen, keine Grenzen. Auch in der Bibel selbst finden sich zahlreiche Stellen, die aufzeigen, zu welchen höchst verstörenden Ansichten der christliche Glauben führen kann. Dazu nur ein Beispiel:

Abraham ist zum Beweis seiner Gottestreue bereit, auf Geheiß Gottes ihm seinen Sohn Isaak zu opfern.

Da Gott nicht mit den Menschen kommuniziert*, ist A. das Opfer einer naiv-bigotten Verblendung, die ihn dazu verleitet, eine unmenschliche Schandtat zu begehen, von der er nicht aus Barmherzigkeit ablässt, sondern weil – wie in der Bibel berichtet – Gott in das Geschehen im letzten Moment eingreift. Auch dieses angebliche Geschehen kann, da ein Engel (???) als Mittler des „göttlichen Willens“ Abraham von der Tat abgehalten haben soll, so real nicht stattgefunden haben!

Fazit: An dieser schändlichen Geschichte ist nichts Wahres d’ran! Sie eignet sich erst recht nicht als Sinnbild für „wahre“ Gottestreue!

* Wie denn auch? Wer heute glaubt, eine innere Stimme zu vernehmen und auf diese Weise mit GOTT zu kommunizieren, wird mit dieser skurrilen Geschichte von Menschen, die „mit beiden Beinen im Leben stehen“, wohl kaum ernst genommen werden.

Das Phänomen, dass Menschen glauben, innere Stimmen zu hören, tritt auch in nichtreligiösen Kontexten auf und lässt sich auf natürliche Weise aus der Funktionsweise des menschlichen Gehirns erklären. Das menschliche Gehirn ist angesichts seiner extrem hohen Fähigkeit zur Aufnahme und Verarbeitung von Sinneseindrücken wie auch zur Steuerung von Denkprozessen in der Lage, sowohl Gespräche mit sich selbst als auch mit einem nur virtuell vorhandenen Gegenüber zu führen.


Die Aufforderung an die Gläubigen, ein gottesfürchtiges Leben zu führen


Die KK hält die Gläubigen dazu an, ein Leben in Ehrfurcht vor Gott zu führen. Sie fordert zugleich dazu auf, ein gottesfürchtiges Leben zu führen.

Mit dieser Wortwahl befördert die KK tiefsitzende Ängste ihrer Anhänger, dass Verstösse gegen religiöse Gebote zum Zeitpunkt des „Jüngsten Gerichts“ grausame Folgen nach sich ziehen können. Ich halte das für eine in jeder Hinsicht inakzeptable Methode, um Gläubige mit einer in alter Zeit in die Welt gesetzten, engstirnigem religiösen Wahndenken zuzuschreibenden Schreckensbotschaft (nämlich bei Missachtung der religiösen Gebote die Aussicht auf ein ewiges Leben zu verlieren und ewige Höllenqualen erleiden zu müssen*) an die Kirche zu binden.

*Anmerkung: Wer als Christ Gott unterstellt, er werde am Tag des Jüngsten Gerichts „Ungerechte“ in die ewige Verdammnis schicken, sollte sich fragen, ob er Gott damit nicht extrem inhumane Rachegelüste unterstellt und auf diese Weise sich nicht an der heiligen Person Gottes vergeht. Es ist schon ein starkes Stück, Gott Botschaften in den Mund zu legen, nach denen er am Tag des „Jüngsten Gerichts“ über die Menschen Gericht halten und sie in zwei Gruppen einteilen werde: Die „Gerechten“ kommen in den“Himmel“, die „Ungerechten in das“ewige Feuer“.

Diese Geschichte beruht auf naivem Aberglauben, da eine Botschaft Gottes an die Menschen nur in der Phantasiewelt von Gläubigen, aber nicht als ein reales weltliches Geschehen vorstellbar ist.

Bei aller gebotenen Zurückhaltung ist mir unbegreiflich, dass solche absolut realitätsfremden, abscheulichen und widersprüchlichen religiösen Botschaften von vernunftgeleiteten Menschen (Menschen, die in der Realität des Lebens nicht leichtgläubig auf jeden Schwindel hereinfallen) unkritisch aufgenommen und als Glaubensbekenntnis übernommen werden.

Es wird allerdings wohl auch Menschen geben, die, ohne den christlichen Glauben wirklich anzunehmen, schlicht abwägen, ob es nicht trotz bestehender Vorbehalte besser ist, sich der christlichen Glaubensgemeinschaft zwecks Sicherung der versprochenen Aussicht auf ein ewiges Leben und Vermeidung des Risikos ewiger Verdammnis anzuschließen.

Auch diese Art des Umgangs mit einer wichtigen Glaubensfrage ist für mich aus rationalen Gründen nicht akzeptabel. Nach meiner festen Überzeugung muss dem Glauben an irrationales Gedankengut mit Wahrheitsanspruch – in welcher Form auch immer – entschieden entgegengetreten werden, da diese Lehren

–  vernunftwidrig sind,

–  die Menschen mit Behauptungen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen, in die Irre führen (und damit auch der bewussten betrügerischen Verbreitung von Humbug durch religiöse Akteure Tür und Tor öffnen),

–  Intoleranz verbreiten und

–  häufig Auslöser von Unfrieden und gewalttätigen Auseinandersetzungen unter den Menschen sind.


Wie die KK mit ihrer kriminalitätsbelasteten Vergangenheit umgeht


Das biblische Gebot der Nächstenliebe

Lukas 10: 25. Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?

Lukas 10: 26. Er aber sprach zu ihm: Wie steht im Gesetz geschrieben? Wie lieset du?

Lukas 10: 27. Er antwortete und sprach: Du sollst Gott, deinen HERRN, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüte und deinen Nächsten als dich selbst.

Lukas 10: 28. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue das, so wirst du leben.

Lukas 10: 29. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster?

Lukas 10: 30. Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn halbtot liegen.

Lukas 10: 31. Es begab sich aber ungefähr, daß ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und da er ihn sah, ging er vorüber.

Lukas 10: 32. Desgleichen auch ein Levit; da er kam zu der Stätte und sah ihn, ging er vorüber.

Lukas 10: 33. Ein Samariter aber reiste und kam dahin; und da er ihn sah, jammerte ihn sein,

Lukas 10: 34. ging zu ihm, verband ihm seine Wunden und goß darein Öl und Wein und hob ihn auf sein Tier und führte ihn in die Herberge und pflegte sein.

Lukas 10: 35. Des anderen Tages reiste er und zog heraus zwei Groschen und gab sie dem Wirte und sprach zu ihm: Pflege sein; und so du was mehr wirst dartun, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme.

Lukas 10: 36. Welcher dünkt dich, der unter diesen Dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war?

Lukas 10: 37. Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und tue desgleichen.

Diese Bibelverse enthalten wohl die eindrucksvollste humane Botschaft, die Jesus der Welt hinterlassen hat.

Das Gebot der Nächstenliebe gehört demzufolge auch zum Credo der Katholischen Kirche. Allerdings hat sie in ihrer langen Geschichte dem Geist dieser Botschaft vielfach in schändlicher Weise zuwidergehandelt, indem sie Menschen verfolgt, unterdrückt, entrechtet und in unzähligen Fällen gefoltert und getötet hat.

Die KK ist sich ihrer schweren Schuld, die sie in ihrer Geschichte auf sich geladen hat, zwar bewusst und geistliche Würdenträger bekennen sich auch hier und da – häufig ohne dabei das Unrecht konkret zu benennen – zur Fehlbarkeit der Kirche und bitten um Vergebung, die KK vermeidet es aber, sich ihrer hoch belasteten Vergangenheit schonungslos in der gebotenen Offenheit zu stellen und diesen Teil ihrer Geschichte gründlich aufarbeiten zu lassen.

Die KK hat weder den Opfern ihrer zigtausendfachen Verbrechen als äußeres Zeichen einer tief empfundenen Reue ein sichtbares und die Zeiten überdauerndes Mahnmal errichtet noch gibt es in Deutschland auch nur ein der geschichtlichen Aufarbeitung des geschehenen Unrechts dienendes öffentliches katholisches Dokumentationszentrum. Man findet auch keinen Gedenktag im jährlichen Kirchenkalender der KK, um die Erinnerung an das unendliche Leid, das sie den Menschen angetan hat, wachzuhalten.

Von einer Kirche, deren öffentliches Auftreten an ihrem ethischen Anspruch gemessen wird, für Nächstenliebe unter den Menschen einzutreten, darf man wohl erwarten, dass sie – auch wenn es als Eingeständnis von Schuld schmerzhaft ist – in aller Form dem tiefen Bedauern um das von ihr begangene Unrecht Ausdruck verleiht und dafür Sorge trägt, dass das Gedenken daran auch für die Zukunft erhalten bleibt.

Veröffentlicht von Jürgen Lipki

Jürgen Lipki, Pensionär Jurist, vormals Leiter einer Jugendstrafanstalt in NRW

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