In den letzten Jahrzehnten haben die Christlichen Kirchen in Deutschland einen starken Rückgang Ihrer Mitglieder zu verzeichnen.
Zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung 1989/1990 gehörten noch über 72 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Glaubensgemeinschaft in Deutschland an. Seither ist der Anteil der Kirchenmitglieder auf etwa 44 Prozent gesunken (römisch-katholische Kirche: 23%, EKD: 21% / Stand 31.12.2025). 48% der Bevölkerung (von etwa 83,5 Millionen Bundesbürgern) sind nach den von der Forschungsgruppe für Weltanschauungen ausgewerteten Daten nicht Mitglied einer Konfessionsgemeinschaft. Davon sind 60% ehemalige Kirchenmitglieder.
Mitgezählt bei den Kirchenmitgliedern werden religionsunmündige Kinder unter 14 Jahren, bei denen die Erziehungsberechtigten die Entscheidung zur Aufnahme getroffen haben. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Anteil der Menschen, die erst im Erwachsenenalter in die KK aufgenommen werden, in Deutschland jährlich bei 2000 bis 3000 Personen liegt (im Vergleich zur Anzahl der Kinder: 120000 bis 130000), das entspricht nur etwa 2 bis 2,5 Prozent aller Neuaufnahmen!!!
Die Kirchenaustritte sind seit 2005/2006 von einem jährlichen Ausgangswert von etwa 200000 von Jahr zu Jahr kontinuierlich angestiegen und haben in den letzten Jahren eine Größenordnung von etwa 650000 Mitgliedern erreicht. Der Anteil der älteren und jüngeren Menschen (über 18 Jahre) an den Kirchenaustritten entspricht in etwa ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung. Dasselbe gilt für Menschen mit unterschiedlichem Bildungsstand.
Unter Berücksichtigung der sonstigen Veränderungen bei den Neuaufnahmen und dem Ausscheiden durch Tod ist die Anzahl der Kirchenmitglieder beider Kirchen in den letzten Jahren jeweils um etwa 1,1 Millionen gesunken.
Nach Auswertung der verfügbaren Daten durch die Forschungsgruppe „fowid“ sind aktuell noch etwa 5 Prozent der Bevölkerung als praktizierende Gläubige anzusehen.
Die Bertelsmann-Stiftung hat im Sommer 2022 eine Umfrage durchgeführt („Religionsmonitor“), derzufolge die Kirchen in den kommenden Jahren vor einem weiteren Bedeutungsverlust stehen. (Das bestätigen inzwischen die neu vorliegenden Daten.) Die Autoren sind zu dem Schluss gekommen, dass beide Kirchen nicht umhinkommen werden,
„ihre besondere gesellschaftliche Rolle kritisch zu reflektieren und sich in einer zunehmend religiös pluralen Gesellschaft neu zu verorten.“
Quelle: Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland („fowid“)
Anmerkung des Autors: Die Katholische Kirche in Deutschland ist sich zwar bereits seit vielen Jahren der zunehmend dramatischen Entwicklung hinsichtlich des Vertrauensverlustes der Menschen in ihre Einrichtung bewusst, ihr ist es aber bislang trotz verstärkter Anstrengungen, die Gläubigen an Reformbemühungen zu beteiligen – Stichwort: “Synodaler Weg” – nicht gelungen, Reformen in Gang zu bringen, die ihr neues Vertrauen in ihre Einrichtung verschaffen und die Abwendung vieler Gläubigen von der Kirche aufhalten können.
